Was sind berufspraktische Tage?

Die berufspraktischen Tage, oft auch als "Schnupperlehre" bezeichnet, sind ein Instrument zur Berufsorientierung und bieten Jugendlichen die Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen. Berufspraktische Tage können in Form einer Schulveranstaltung stattfinden (mehrere Schüler schnuppern zur gleichen Zeit) oder im Rahmen der "individuellen Berufsorientierung" (einzelne Schüler werden zum Schnuppern vom  Unterricht freigestellt).

Im Rahmen berufspraktischer Tage/individuellen Berufsorientierung können Sie ...

  • das Interesse von Schülern für eine Lehrausbildung in Ihrem Betrieb wecken,
  • potenzielle Lehrlinge besser kennen lernen.

Schüler können abklären, ob ...

  • ihre Berufsvorstellungen der Realität entsprechen.
  • der Beruf tatsächlich der Richtige für sie ist.
  • ihr Betrieb für sie als Ausbildungsbetrieb in Frage kommt.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Ein Schüler kann gemeinsam mit der Klasse während der Unterrichtszeit schnuppern oder allein im Rahmen einer individuellen Vereinbarung (während oder außerhalb der Unterrichtszeit).

> Berufspraktische Tage als Schulveranstaltung

  • Geht von der Schule aus und dient der Ergänzung des lehrplanmäßigen Unterrichts (alle Schüler einer Klasse dürfen gleichzeitig schnuppern)
  • Findet während der Unterrichtszeit an einem bis mehreren Tagen statt.
  • Grundsätzlich erfolgt die Beaufsichtigung der Schüler durch den Lehrer. Gemäß § 44a SchUG kann die Beaufsichtigung jedoch auch durch andere, dafür geeignete, Personen erfolgen.

Mehr über die rechtlichen Grundlagen finden Sie hier: Berufspraktische Tage

 

> Individuelle Berufsorientierung während der Unterrichtszeit

  • Für Schüler ab der 8. Schulstufe allgemein bildender sowie berufsbildender mittlerer und höherer Schulen
  • Den Schülern kann auf ihr Ansuchen hin vom Klassenvorstand die Erlaubnis erteilt werden, zum Zweck der individuellen Berufsorientierung an bis zu maximal fünf Tagen im Schuljahr dem Unterricht fern zu bleiben.
  • Für die Schnupperlehre ist vom Erziehungsverantwortlichen oder dem Schnupperbetrieb eine geeignete Aufsichtsperson (gemäß ) festzulegen.

Rechtliche Grundlagen: § 13b Schulunterrichtsgesetz, § 44a Schulunterrichtsgesetz,
§ 175 Abs. (5) Z1 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz,

 

> Individuelle Berufsorientierung außerhalb der Unterrichtszeit

  • Für alle Schüler ab der 8. Schulstufe
  • Die Schüler können außerhalb der Unterrichtszeit (z. B. in den Ferien) eine Schnupperlehre im Ausmaß von höchstens 15 Tagen pro Betrieb und Kalenderjahr absolvieren.
  • Diese Form der Berufsorientierung ist nicht durch das Schulunterrichtsgesetz geregelt (da außerhalb der Unterrichtszeit)!
  • Voraussetzung ist die Zustimmung des Erziehungsberechtigten.

Rechtliche Grundlagen: § 175 Abs. (5) Z3 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz


WICHTIG:

Schüler haben während der Schnupperlehre keinen Anspruch auf Entgelt, sie unterliegen keiner Arbeitspflicht und keiner bindenden Arbeitszeit. Sie dürfen im Rahmen der berufspraktischen Tage nicht in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, da in diesem Fall ein Arbeitsverhältnis mit allen arbeits- und sozialrechtlichen Konsequenzen (Anmeldung bei der Krankenkasse, Entgeltzahlungspflicht, Anwendung des Kollektivvertrages, etc.) entsteht.

Schüler dürfen durch Zuschauen, Fragen stellen und Ausprobieren einfacher, ungefährlicher Tätigkeiten selbstständig und unter Aufsicht den Beruf kennenlernen.

 Wie sind die Schüler versichert?

  • Die Schüler sind während der Schnupperlehre nach dem ASVG unfallversichert. Sie müssen nicht bei der Sozialversicherung angemeldet werden.
  • Die Bestimmungen des Arbeitnehmerschutzes und arbeitshygienische Vorschriften sind zu berücksichtigen.
  • Durch Schüler verursachte Schäden unterliegen dem allgemeinen Schadenersatzrecht. Die Haftung ist im Einzelfall zu prüfen.

Rechtliche Grundlagen: Rechtliche Grundlagen: § 175 Abs. (5) Z1 und Z3 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz, § 13b (3) Schulunterrichtsgesetz

Nicht zu empfehlen ist:

  • Eine Schnupperlehre unmittelbar vor Beginn eines Lehrverhältnisses ist rechtlich problematisch und sollte  vermieden werden. Ein solcher zeitlicher Zusammenhang könnte dazu führen, dass die Zeit des Berufspraktikums als Lehrzeit mit allen arbeits- und sozialrechtlichen Konsequenzen gilt.
  • In den einschlägigen Berufen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft sind berufspraktische Tage nach der Rechtsauffassung der AUVA und der Krankenkassen problematisch und daher nicht zu empfehlen.

Wie finde ich Schnupperlehrlinge?

Informieren Sie Schulen in Ihrer Umgebung und die Mitarbeiter Ihres Betriebes, dass Sie Schnupperlehrlinge aufnehmen möchten. Machen Sie auch auf Ihrer Website, in Infobroschüren, bei Vorträgen in Schulen, Berufsinfomessen etc. darauf aufmerksam, dass Jugendliche in Ihrem Unternehmen schnuppern können.


Wie kann ich berufspraktische Tage gestalten?

Überlegen Sie sich, was Sie dem Jugendlichen zeigen wollen und wie der Jugendliche am besten den jeweiligen Beruf entdecken kann. Welche Tätigkeiten kann er ausprobieren? Welche Produkte/Dienstleistungen soll er kennen lernen? Wen kann er bei der Arbeit beobachten? Bereiten Sie für die Schnupperlehre ein Programm für den Tagesablauf vor.

  • Wählen Sie für die Aufsicht und Betreuung des Jugendlichen einen geeigneten Mitarbeiter aus. Er ist auch die Kontaktperson für Schule und Eltern.
  • Ein Namensschild mit der Zusatzbezeichnung "Schnupperlehrling" erleichtert dem Jugendlichen den Auftritt vor Mitarbeitern und auch vor Kunden oder Lieferanten.
  • Lassen Sie den Jugendlichen "Tagebuch" über die Schnupperlehre führen. Darin kann er Fragen zum Lehrberuf und zum Betrieb beantworten.
  • Geben Sie dem Jugendlichen am Ende der Schnupperlehre eine schriftliche Bestätigung und Rückmeldung über seine Eignung für den Lehrberuf.

Rekrutierungshilfe: Von der Lehrlingssuche bis zum ersten Lehrtag

Anregungen und Beispiele aus der Praxis