Wer kommt für die verlängerte Lehre bzw. Teilqualifikation in Frage?

Personen, die vom Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) nicht in eine Lehrstelle vermittelt werden können und entweder

  • am Ende der Pflichtschule sonderpädagogischen Förderbedarf hatten und zumindest teilweise nach dem Lehrplan einer Sonderschule unterrichtet wurden,
  • keinen bzw. einen negativen Abschluss der Hauptschule oder der Neuen Mittelschule haben,
  • Behinderungen im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes aufweisen oder
  • aus sonstigen in der Qualifikation der Person liegenden Gründen bei der Lehrplatzsuche erfolglos bleiben.

Ob eine Person für diese Form der Berufsausbildung infrage kommt, prüft das Arbeitsmarktservice (AMS).


Wie ist die Ausbildung gesetzlich geregelt?

Die verlängerbare Lehre und die Teilqualifikation sind - wie die reguläre Lehre - im Berufsausbildungsgesetz (BAG) geregelt. Mit der BAG Novelle 2015 wurde der ursprüngliche Überbegriff der „integrativen Berufsausbildung“ gestrichen. Die entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten werden nun nur mehr als „verlängerbare Lehre“ bzw. „Teilqualifikation“ bezeichnet oder zusammengefasst als Berufsausbildung gemäß § 8b Berufsausbildungsgesetz.


Wie schauen die beiden Ausbildungsmöglichkeiten aus?

Bei der verlängerbaren Lehre wird die gesetzliche Lehrzeit im Normalfall um ein Jahr, in Ausnahmefällen um bis zu zwei Jahre verlängert. Die verlängerte Lehrzeit ist für Jugendliche gedacht, die eine volle Lehre schaffen können, aber zum Lernen länger Zeit brauchen. Am Ende der Lehrzeit kann der Jugendliche, wie alle anderen Lehrlinge auch, die Lehrabschlussprüfung ablegen.

Beim Erwerb einer Teilqualifikation werden nur Teile eines Lehrberufes erlernt. Die Ausbildungsziele werden vorher genau festgelegt. Die Lehrzeit wird für den jungen Menschen individuell vereinbart und beträgt ein bis drei Jahre. Am Ende der Lehre kann der Lehrling über die erlernten Teile des Berufes eine Abschlussprüfung ablegen. Wer die Abschlussprüfung bestanden hat, bekommt ein Zertifikat, das von der Wirtschaftskammer Österreich anerkannt wird.


Wer sind die Ansprechpartner?

> Arbeitsmarktservice Österreich (AMS)
Das AMS sucht für alle Jugendlichen, auf die die Voraussetzungen zutreffen, passende Ausbildungsplätze für die verlängerbare Lehre bzw. die Teilqualifikation und fördert Betriebe, die Jugendliche in diese Ausbildung aufnehmen.

> Berufsausbildungsassistenz
Die Berufsausbildungsassistenz berät und unterstützt die Ausbildungsbetriebe und die Jugendlichen vor und während der Ausbildung. Sie übernimmt auch die Koordination aller Beteiligten.

> Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer
Die Lehrlingsstelle trägt die Lehrverträge bzw. Ausbildungsverträge nach Vorlage aller Voraussetzungen (AMS-Zuweisung, Berufsausbildungsassistenz) ein und organisiert die Abschlussprüfungen.


Wie läuft die Ausbildung ab?

  • Das AMS oder die Berufsausbildungsassistenz suchen nach einem geeigneten Ausbildungsplatz in einem Lehrbetrieb. Wenn kein Platz in einem Lehrbetrieb gefunden wird, kann die Ausbildung auch in einer speziellen Ausbildungseinrichtung erfolgen.
  • Lehrbetrieb und Bewerber legen gemeinsam mit der Berufsausbildungsassistenz, einem Vertreter des Landesschulrates, einem Vertreter des Schulerhalters (Landesregierung) und dem gesetzlichen Vertreter des Bewerbers (falls dieser minderjährig ist) die Ausbildungsziele und die Ausbildungsdauer fest. Dabei sind auch pädagogische Begleitmaßnahmen bzw. die Form der Einbindung in den Berufsschulunterricht festzulegen.
  • Der Lehr- bzw. Ausbildungsvertrag wird bei der Lehrlingsstelle zur Eintragung angemeldet. Während der Ausbildung berät und unterstützt die Berufsausbildungsassistenz.
  • Nach Abschluss der Ausbildung kann bei der verlängerten Lehre eine Lehrabschlussprüfung, und bei Teilqualifizierung eine Abschlussprüfung abgelegt werden.

Hinweise:

Ein Wechsel zwischen verlängerbarer Lehrzeit und Teilqualifikation ist einvernehmlich unter Einbeziehung der Berufsausbildungsassistenz, des Landesschulrates und der Lehrlingsstelle in beide Richtungen möglich.

Nach abgeschlossener Teilqualifizierung kann im betreffenden Lehrberuf ein regulärer Lehrvertrag abgeschlossen werden. Bei erfolgreicher Abschlussprüfung über die Teilqualifikation und bei positivem Abschluss des ersten Berufsschuljahres in den berufsfachlichen Fächern wird mindestens ein Jahr der Teilqualifizierung auf die Lehrzeit angerechnet.


Gibt es spezielle Förderungen für Lehrbetriebe?

Ja, es gibt eine spezielle Förderung vom Arbeitsmarktservice (AMS). Unternehmen oder Ausbildungseinrichtungen können für die Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen einen pauschalierten Zuschuss zu den Kosten der Lehrausbildung bzw. der Lehrausbildung mit verlängerter Lehrzeit oder Teilqualifikation erhalten.

Förderungsangebot des AMS

Wer? Was? Wie viel?