Wer ist auf Bundesebene für die Lehrlingsausbildung zuständig?

Auf  Bundesebene  ist  das  Bundesministerium  für  Wissenschaft,  Forschung  und  Wirtschaft (BMWFW)  für  den  betrieblichen  Teil  und  das  Bundesministerium  für  Bildung  (BMB)  für  den schulischen  Teil  der  Lehre  verantwortlich.  Für  den  betrieblichen  Teil  der  Lehre  gilt  das  Berufsausbildungsgesetz   (BAG),   für   den   schulischen   Teil   kommt   das   Schulorganisationsgesetz (SchOG) zur Anwendung.


Wer ist auf Landesebene für die Lehrlingsausbildung zuständig?

Die Lehrlingsstellen fungieren als Berufsausbildungsbehörde erster Instanz. Sie sind in den Wirtschaftskammern der einzelnen Bundesländer angesiedelt und im übertragenen Wirkungsbereich  des BMWFW tätig. Ihre konkreten Aufgaben umfassen:  

  • Prüfung der Eignung eines Betriebs als Lehrbetrieb (gemeinsam mit der Kammer für Arbeiter und Angestellte)
  • Protokollierung jedes einzelnen Lehrvertrages
  • Anlaufstelle für alle Fragen der Lehrbetriebe und Lehrlinge
  • Abwicklung der Förderungen für Lehrbetriebe
  • Abwicklung der Lehrabschlussprüfungen

Die Bundesländer sind für die Errichtung und Ausstattung der Berufsschulen zuständig. Weiters finanzieren sie die Gehälter für das Lehrpersonal in den Berufsschulen zu 50 %.

Wichtige  Personen  auf  Landesebene  sind  auch  die  Landeshauptleute. Sie entscheiden über Berufungen in Berufsausbildungsangelegenheiten, wie etwa gegen den Entzug der Ausbildungsberechtigung. Das Amt der Landesregierung ist als Berufsausbildungsbehörde zweiter Instanz zuständig.

Den Landesschulinspektoren obliegen die Schulinspektion bzw. die Wahrung der in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Agenden sowie die Umsetzung der Bundesrahmenlehrpläne in Form der Landeslehrpläne.


Wo findet die Ausbildung statt?

Ausbildungsbetrieb
80 % der dualen Berufsbildung finden im Lehrbetrieb statt. Der Lehrberechtigte ist der verantwortliche Träger der Lehrlingsausbildung. In seinem Betrieb wird der Lehrling zu einer qualifizierten Fachkraft ausgebildet. Der Lehrberechtigte wird dabei von Ausbildern unterstützt.

Berufsschule
Die Berufsschule ist der zweite wichtige Lernort in der dualen Berufsbildung. Die Berufsschule ist in das Wirtschaftsgeschehen an ihrem Standort eingebunden. Der direkte Kontakt zu den Lehrbetrieben in der Region ist eine der wesentlichsten Vorbedingungen für eine optimale Erfüllung des Bildungsauftrages.


Welche Rolle haben die Sozialpartner?

Die  Sozialpartner  nehmen  in  der  Lehrlingsausbildung  eine  wichtige  Rolle  ein.  Sowohl  die
Wirtschaftskammer  Österreich  (Vertretung  der  Arbeitgeber)  als  auch  die  Bundesarbeitskammer  (Vertretung  der  Arbeitnehmer)  sind  im  sogenannten  Bundes-Berufsausbildungsbeirat (BBAB) vertreten. Der BBAB unterbreitet dem BMWFW Vorschläge in Form von Gutachten,  z. B.  über  die  Einführung  neuer  oder  die  Modernisierung  bestehender  Lehrberufe. Diesen Beirat gibt es auch auf Landesebene (Landes-Berufsausbildungsbeiräte).

Übersicht

An der Lehrlingsausbildung beteiligte Institutionen und deren Zuständigkeiten


Wie erfolgt die Finanzierung der Ausbildung?

Die  Kosten  für  die  betriebliche  Ausbildung  übernimmt der Lehrbetrieb.  Den  größten  Teil davon  macht  die  Bezahlung  des  Lehrlings  aus,  die  Lehrlingsentschädigung.  Ihre Höhe ist meist in den Kollektivverträgen festgelegt. Wenn keine kollektivvertragliche Regelung vorliegt, muss die Lehrlingsentschädigung individuell im Lehrvertrag vereinbart werden. Die Lehrlingsentschädigung steigt in jedem Lehrjahr an und beträgt im letzten Lehrjahr durchschnittlich etwa 80 % des entsprechenden Fachkräftegehalts.

Die schulische Ausbildung (Berufsschule) wird von der öffentlichen Hand finanziert. Damit entfällt der weitaus größte Teil der Kosten für die Berufsausbildung in der Lehre auf die Betriebe.

Für    die    Lehrlingsausbildung    gibt    es    vom  österreichischen Staat eine Reihe an Fördermöglichkeiten. Diese werden von den Lehrlingsstellen der regionalen Wirtschaftskammern abgewickelt.