Warum bilden Lehrbetriebe Lehrlinge aus?

Die Lehrlingsausbildung wird von Betrieben als eine Investition in die Zukunft betrachtet. Durch sie können Betriebe ihren zukünftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften am besten decken. Aber bereits während ihrer Ausbildung leisten Lehrlinge wertvolle Arbeit für den Ausbildungsbetrieb.

Durch die freiwillige Lehrlingsausbildung zeigen Unternehmen, dass sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Indem sie betriebliche Ausbildungsplätze bieten, wird die Jugendarbeitslosigkeit gesenkt und gleichzeitig der zukünftige Bedarf an qualifizierten Fachkräften gesichert.

Nach Beendigung des Lehrverhältnisses muss kein Beschäftigungsverhältnis zwischen dem ausgelernten Lehrling und dem Ausbildungsbetrieb zustande kommen. Ausgebildete Fachkräfte können in andere Betriebe wechseln, es können aber auch außerbetrieblich ausgebildete Arbeitskräfte aufgenommen werden. Diese mögliche Fluktuation ist Merkmal eines freien Ausbildungssystems. Betriebe, die in die Lehrlingsausbildung investieren, handeln somit nicht nur im eigenen Interesse, sondern tragen langfristig zum Nutzen aller Wirtschafts- und Berufszweige bei, die Bedarf an qualifizierten Lehrabsolventen haben.


Was sind die Besonderheiten der betrieblichen Ausbildung?

Learning by doing lautet das Erfolgsrezept der Lehrlingsausbildung, denn die Lehrlinge lernen überwiegend in der Praxis für die Praxis. Die Ausbildung findet weitgehend im Rahmen produktiver Arbeit statt, das mindert die Kosten für den Betrieb und stärkt die Motivation der Lehrlinge. Der Lehrling kann nach Abschluss seiner Ausbildung sofort als Fachkraft eingesetzt werden.


Wer ist für die Ausbildung im Betrieb zuständig?

Für die Ausbildung im Lehrbetrieb ist der Ausbilder zuständig. Vielfach wird diese Rolle vom Lehrberechtigten (Betriebsinhaber)  übernommen.  Er  kann  jedoch  auch  geeignete  Mitarbeiter  des  Betriebes dafür  bestimmen. 

Die  meisten  Ausbilder  bilden  im  Zusammenhang  mit  ihrer  beruflichen Haupttätigkeit  aus. Ausbilder  zu  sein  ist  in  vielen  Lehrbetrieben  kein  eigener  Beruf.  Bei  größeren Betrieben gibt es jedoch auch hauptberufliche Ausbilder und Ausbildungsleiter.

Ausbilder müssen über fachliche Kompetenz sowie berufspädagogische und rechtliche Kenntnisse verfügen.  Die  berufspädagogischen  und  rechtlichen  Kenntnisse  werden  in  der  Ausbilderprüfung festgestellt. Man kann jedoch auch den vierzigstündigen Ausbilderkurs absolvieren, der  die Ausbilderprüfung  ersetzt.  Einige  Ausbildungen  oder  Prüfungen  (wie   z. B.  die  Meisterprüfung) werden der Ausbilderprüfung oder dem Ausbilderkurs gleichgehalten. 


Wie ist die betriebliche Ausbildung geregelt?

Basis  für  die  betriebliche  Ausbildung  ist  die  Ausbildungsordnung.  Diese  wird  vom  Wirtschaftsministerium für jeden Lehrberuf verordnet. Sie ist für die Ausbildung in den  Lehrbetrieben  verbindlich.  Die  Ausbildungsordnung  enthält das Berufsbild – eine  Art  „Lehrplan“  für den Lehrbetrieb. Es enthält  alle  Kompetenzen,  die  während  der  betrieblichen  Ausbildung  vermittelt  werden  müssen.


Gibt es eine vertragliche Regelung zwischen Lehrbetrieb und Lehrling?

Für  jede  Lehrlingsausbildung  muss  zwischen  dem  Lehrberechtigten  und  dem  Lehrling  ein Lehrvertrag abgeschlossen werden. Dies muss in schriftlicher Form erfolgen. Ist der Lehrling noch minderjährig, muss der Lehrvertrag auch vom gesetzlichen Vertreter bzw. von der gesetzlichen Vertreterin des Lehrlings unterschrieben werden. Standardisierte Formulare werden von den Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern der einzelnen Bundesländer ausgegeben.

Im Lehrvertrag müssen eine Reihe von Angaben gemacht werden, wie z. B. die Bezeichnung des Lehrberufs,  Dauer der Lehrzeit, Beginn und Ende der Ausbildung, Hinweis auf die Berufsschulpflicht u. v. m.

Der Lehrvertrag

Informationen und Praxistipps für Unternehmen (WKÖ)


Inwieweit arbeiten Lehrbetrieb und Berufsschule zusammen?

Der  Lehrbetrieb und die  Berufsschule arbeiten  in  der  Praxis  häufig  zusammen.  Zwischen Ausbildern und  Berufsschullehrern  finden  Gespräche  über  die  Leistungen  oder  das  Verhalten  der  Jugendlichen  statt.  Berufsschullehrer treffen  auch  regelmäßig  Fachleute  aus der  Branche,  um  sich  fachlich  auszutauschen.  Verschiedene  Unternehmen  bieten Betriebspraktika an, damit sich Berufsschullehrer z. B. über betriebliche Neuerungen informieren können. 

Ausbildungsmappe für Lehrbetriebe

Rechts- und Serviceinformationen für Lehrbetriebe